BrauereimuseumBäckereimuseumMUPÄZMönchshof Bräuhaus
Der Kulmbacher Mönchshof

Geschichte

Bis 1803:

Mönche prägten die Geschichte

Die Entstehung des Kulmbacher Mönchshofs ist – wie es der bis heute gebräuchliche Name auch leicht vermuten lässt – eng mit dem Wirken zweier in Kulmbach ansässiger Ordensgemeinschaften verbunden. Die Mönche des Zisterzienserklosters Langheim bei Lichtenfels waren fleissige Leute. Durch Waldroden, Ackerbau, Vieh- und Fischzucht, sowie fromme Stiftungen kam man zu viel Reichtum. Um Kulmbach herum besaß man soviel Grundbesitz, dass das Kloster schon im 14. Jahrhundert eine Verwaltungsaußenstelle, den Langheimer Amtshof, in Kulmbach errichtete.

Zum Langheimer Amtshof gehörte auch ein landwirtschaftliches Vorwerk vor den Toren der Stadt im heutigen Ortsteil Blaich, genau am Platz der späteren Mönchshof-Brauerei. Ob die Zisterziensermönche auf dem Gelände in der Blaich im Mittelalter tatsächlich Bier gebraut haben, wurde nicht überliefert. Mit dem Bierbrauen hatten es dagegen mehr die Augustinermönche, deren Kloster nahe der Kulmbacher Altstadt, am heutigen Holzmarkt stand. Im Gegensatz zu den arbeitsamen Zisterziensern waren die Augustiner Bettelmönche mit ihrem bettelnden Umherziehen auch dem Markgrafen ein Dorn im Auge. Ihre einzige produktive Tätigkeit war das Bierbrauen. So wurde 1349 das erste Mal von einem Brauhaus im Kloster berichtet.

Die Menge, des von den Mönchen hergestellten Bieres muss schon damals so bedeutend gewesen sein, dass sich der Markgraf auf der Kulmbacher Plassenburg durch eine „Tranksteuer“ willkommene Einnahmen verschaffte. Auch die Augustinermönche besaßen auf dem Gelände der späteren Mönchshof-Brauerei einen Hof, der in alten Katastern als „Münchshof“ bezeichnet wird. Eine Brautätigkeit im „Münchshof“ ist nicht belegt. Die braune Mönchskutte der alten Augustinermönche findet sich allerdings später in Werbedarstellungen der Mönchshof-Brauerei, z.B. auf Etiketten und Bierkrügen um 1900 wieder. Ob, wie oftmals vermutet und spekuliert, schon im Mittelalter auf dem Mönchshofgelände tatsächlich Bier gebraut wurde, wird wohl nie richtig und vollständig geklärt werden können.

1803:

Erster privater Besitzer

Nachdem 1528 in Kulmbach die Reformation eingeführt wurde, lösten sich die Klöster bzw. deren Außenstellen auf. Grundstücks- und Gebäudebesitze wurden säkularisiert und durch ein markgräfliches Klosteramt verwaltet. Erster privater Besitzer des Anwesens wurde 1803 der Weißgerbermeister Kripner.

1846

Ehrhard Ender errichtet ein „Mulzhaus“

Ehrhard Ender erwirbt das Anwesen und beginnt im Mönchshof mit der Malzherstellung.

1864:

Simon Hering legt den Grundstock der Mönchshof-Brauerei

Der Glasermeister Simon Hering gehörte schon um 1850 zu den „brauenden Bürgern“, die im Kulmbacher Kommunbrauhaus ihre Sude einbrauten und dann in Holz- oder Blechbütten Richtung Burgberg tragen ließen, wo schließlich in eigenen Felsenkellern das Bier reifte. Simon Hering stellte so im Jahr ca. 300 hl her. 1863 wollte Hering dann jedoch ins richtige Braugeschäft einsteigen und beantragte die Konzession zum Betrieb einer Bierbrauerei, sowie zur Errichtung eines Brauhauses im Mönchshof. Ab 1864 fand dann ein industrieller Braubetrieb statt. Der Firmenname der Brauerei lautete „Export-Bier-Brauerei Simon Hering“. Hering`s Biere gingen in der Zeit bis nach Amerika.

1884:

Heinrich Hering - der Gründer der Mönchshof-Brauerei

Heinrich Hering erwarb 1884 das Brauhaus von Simon Hering. Im gleichen Jahr wandelte er das bisher privat geführte Brauhaus in eine Aktiengesellschaft um. Heinrich Hering hatte große Pläne, was den Ausbau der Braustätten anbelangte. Der erforderliche Kapitalbedarf konnte aber nur über eine Aktiengesellschaft aufgebracht werden. Die Brauerei firmierte fortan als „Kulmbacher Export-Brauerei Mönchshof“ (bis 1895 mit dem Zusatz: „vormals Simon Hering“). Dem Gründungskonsortium der Aktiengesellschaft gehörten neben Heinrich Hering vier Kaufleute aus Dresden an, die auch einen Großteil des Kapitals einbrachten. Bereits 1886 stieg Heinrich Hering nach Streitigkeiten aus der Gesellschaft wieder aus und gründete 1887 in der Mittelau eine neue kleine Brauerei, die 1897 in die Erste Kulmbacher Aktienbrauerei (EKU) überging.

1888:

Höchste Auszeichnungen für Mönchshof-Biere

Seit Gründung der Aktiengesellschaft wuchs der Bierausstoß der Mönchshof-Bräu rasant. Der rasche Aufschwung der Marke Mönchshof und damit verbundener wirtschaftlicher Erfolg zum Ende des 19. Jahrhunderts hatte seine Gründe. Zum einen verfügte die Mönchshof-Brauerei über für die damalige Zeit sehr moderne Brauanlagen und eigene Brunnen mit weichem, exzellenten Fichtelgebirgswasser. Zum anderen verstand man sein Handwerk.

So wurden Mönchshof-Biere 1888 bei der Weltausstellung in Brüssel erstmals mit höchsten Ehren bedacht und ausgezeichnet. Weitere Auszeichnungen bei Welt- und anderen bedeutenden Ausstellungen folgten 1893 (Chicago), 1894 (Antwerpen), 1896 (Nürnberg), 1897 (Leipzig) und 1900 (Paris). Die gewonnenen, global bedeutenden Preise und Medaillen spiegeln einen herausragenden Teil Kulmbacher Biergeschichte wider. Sie sind am Ort des Kulmbacher Mönchshofs verblieben und gehören heute zu den interessantesten und wertvollsten Exponaten des Bayerischen Brauereimuseums.

1892:

Die Mönchshof-Bräu bekommt einen Gleisanschluss

Kulmbach hatte sehr früh (1846) einen Eisenbahnanschluss, den die Export-Bierbrauereien natürlich auch nutzten. Die Mönchshof-Brauerei musste ihr Bier bislang zum Bahnhof transportieren, wo die Verladung in Waggons und die Zollabfertigung stattfand. 1892 bekam der Mönchshof dann ein eigenes Industriegleis und Verladung und Zollformalitäten konnten direkt in der Brauerei von statten gehen. Der Gleisanschluss im Kulmbacher Mönchshof wird übrigens heute noch für touristische Zwecke genutzt, wenn im Sommerhalbjahr gelegentlich Dampfzüge und historische Schienenbusse direkt in den Kulmbacher Mönchshof einfahren.

1904:

Eröffnung des Mönchshof-Volksgarten

Eine Attraktion für die Kulmbacher Bevölkerung und den heutigen Ortsteil Blaich war die Errichtung des Mönchshof-Volksgartens. Biergarten und der mit Ruderbooten bestückte Eisweiher boten ein Ambiente, wo man sich gerne eine frische Maß guten Mönchshofbieres schmecken ließ.

1920:

Mönchshof braut Friedensbier

Nach den schweren Kriegsjahren des Ersten Weltkrieges braute die Mönchshof-Brauerei ein besonders hochprozentiges Friedensbier ein, das unter dem Namen „Friedensbräu“ verkauft wurde.

1956:

Mönchshof-Brauerei mit höchstem Ausstoß

Schon in den Jahren vor dem Zweiten Weltkrieg hatten die Kulmbacher Brauereien enorme Absatzschwierigkeiten, die sich bis zum Ende des Krieges naturgemäß fortsetzten. Bis auf 19.000 hl fiel der Absatz der Mönchshof-Brauerei im Jahr 1945. Anfang der 50er-Jahre erholte man sich jedoch. In den Jahren 1956-1964 war die Mönchshof-Brauerei sogar der Spitzenreiter unter den Kulmbacher Großbrauereien (1963: über 200.000 hl).

1962:

Ende der Aktiengesellschaft

1962 wurde die Mönchshof-Brauerei nach 78 Jahren Aktiengesellschaft in eine GmbH umgewandelt. Haupteigner war die Familie Meußdoerffer.

1984:

Die Reichelbräu übernimmt die Mönchshof-Brauerei

„In Kulmbach rücken Reichelbräu und Mönchshof zusammen“ heißt es in einer Schlagzeile der Süddeutschen Zeitung vom 21. August 1984. Die Kulmbacher Unternehmerfamilie Meußdoerffer, zu deren Beteiligungs- und Verwaltungs-KG die Mönchshof GmbH bisher gehörte, kauft sich mit 25% in die Reichelbräu AG ein. Im Gegenzug beteiligt sich die Reichelbräu mehrheitlich an der Mönchshof-Bräu.

1991:

Neueröffnung des Mönchshof-Bräuhauses

Nach Um- und Ausbau wird aus der Brauereigaststätte „Mönchshof-Klosterkeller“ das „Mönchshof-Bräuhaus“. Urige und großzügig gestaltete Gasträume bieten neben schöner Terrasse und Biergarten sowohl dem einzelnen Bierfreund, als auch Busreisenden einen idealen Anlaufpunkt um einmal „an der Quelle“ ein echtes Kulmbacher Bier zu genießen.

1994:

Das Bayerische Brauereimuseum öffnet seine Pforten

Nach mehreren Jahren Planungs- und Bauzeit wird das Bayerische Brauereimuseum im Kulmbacher Mönchshof eröffnet. Neben tausenden Exponaten aus aller Welt findet der Besucher im Brauereimuseum auch Vieles aus vergangenen Mönchshof-Zeiten.

1997:

Einstellung des Braubetriebes

Im Jahr 1997 dampfen die Mönchshof-Kessel zum letzten Mal. Der Braubetrieb der Mönchshof-Brauerei wird nach 112 Jahren eingestellt. Die Traditionsmarke wird fortan in der KULMBACHER Brauerei hergestellt und erfreut sich in reicher Pallette bis zum heutigen Tag großer Beliebtheit.

2001:

Erster Sud der Museumsbrauerei - Weltneuheit

Ende 2001 braut Braumeister Robert Boser in der neuen Schau- und Versuchsbrauerei des Bayerischen Brauereimuseums den ersten Sud Museumsbier ein. Das Besondere an der kleinen, acht Hektoliter fassenden Brauanlage ist, dass die Kessel aus Glas sind. Das weltweit erste gläserne Sudwerk bietet dem Besucher nicht nur einen Blick über die Braumeisterschulter, sondern auch tief in sein brodelndes Gebräu.

2002:

Museumserweiterung

Im Mai 2002 wird die großzügige Erweiterung des Bayerischen Brauereimuseums gebührend gefeiert. Auf über 3.000 m² ist die größte Spezialausstellung zum Thema Bier und Brauwesen im deutschsprachigen Raum entstanden.

2003:

Die Entwicklung des Mönchshofs - eine „Goldene Bieridee“

Sigrid Daum, die Chefin des Kulmbacher Mönchshofs, darf im Jahr 2003 den vom Bayerischen Brauerbund und vom Bayerischen Hotel- und Gaststättenverband ausgelobten Preis für die „Goldene Bieridee“ in München in Empfang nehmen, mit dem jährlich die besten Ideen zur Förderung der bayerischen Bierkultur ausgezeichnet werden. Gewürdigt wird damit die Idee, Planung und Realisierung des Umbaus des Kulmbacher Mönchshofs von einer industriellen Braustätte zu einem einzigartigen Bierkultur- und Kompentenzzentrum.

2004:

Der 300.000ste Besucher im Brauereimuseum

Zehn Jahre nach Eröffnung des Bayerischen Brauereimuseums kann im Mönchshof der 300.000ste Besucher des Bayerischen Brauereimuseums begrüßt werden.

2008:

Das Bayerische Bäckereimuseum wird eröffnet

Am 12. September 2008 eröffnet Bayerns Ministerpräsident Günther Beckstein das Bayerische Bäckereimuseum. Der bedeutende Lebensmittelstandort Kulmbach und der Kulmbacher Mönchshof bekommen damit ein weiteres kulturelles Schaufenster.

Der Name des Museums lautet seitdem “Bayerisches Brauerei- und Bäckereimuseum Kulmbach e.V.“. Brauen und Backen gehörten seit Jahrtausenden zusammen. Auf dem Gelände des Kulmbacher Mönchshofs laden diese beiden Themenmuseen nun den Besucher ein, diese traditionsreichen Gewerbe hautnah zu erleben.

2012

Das MUPÄZ (Museumspädagogisches Zentrum) bringt pädagogische Wertigkeit in den Mönchshof

Die Museen bringen dem Besucher durch Individualstudium oder mit einer Führung durch Fachleute viel Wissenswertes nahe. Doch um im Bereich Museumspädagogik zufriedenstellend arbeiten zu können, fehlte noch etwas, jedenfalls nach den Maßstäben, die man sich im Kulmbacher Mönchshof auferlegt hat.

Seit der Eröffnung des MUPÄZ (Museumspädagogisches Zentrum) gibt es nun vielfältige Möglichkeiten, Vorträge abzuhalten, Kochkurse an 40 Kochplätzen für Klein und Groß zu organsieren, Tagungsräume anzubieten oder in der angeschlossenen ADALBERT-RAPS-Bibliothek zu schmökern.

2015

Das Deutsche Gewürzmuseum komplettiert die Museenlandschaft im Mönchshof

Ein weiterer Meilenstein sorgt am 16.10.2015 für viel Aufmerksamkeit in den Medien: Das Deutsche Gewürzmuseum öffnet im Kulmbacher Mönchshof seine Pforten und lockt seitdem nie erwartete Besucherströme aus allen Ecken Deutschlands und dem Ausland in unser oberfränkisches Städtchen.

Die Museumslandschaft am Lebensmittelstandort Kulmbach mit seinen speziellen Betrieben und Fachschulen ist um ein bedeutendes Mosaiksteinchen reicher. Kombinationsmöglichkeiten zwischen den einzelnen Museen (z.B. Bäckereimuseum - Gewürzmuseum) geben dem interessierten Besucher noch mehr die Möglichkeit, sich den miteinander korrespondierenden Themengebieten zu widmen.